Wo sind denn die Zeiten hin, als man im Fitnessstudio noch miteinander geredet hat? Heute haben beinahe alle Kopfhörer im Ohr. Als ich mit 16 begonnen habe zu trainieren, war die Kommunikation ein wesentlicher Teil des Trainings – Moment – um das klar zustellen – in den Pausen zwischen den Sätzen oder eben nach dem Training wurden Trainingstipps gegeben, Pläne und Erfahrungen ausgetauscht. Niemand war dem anderen etwas neidig, im Gegenteil – man hat sich über die Erfolge des anderen gefreut. Dies hat sich definitiv geändert, oft kommt man nicht mal über ein „hallo“ hinaus. Ich trainiere immer noch nicht mit Kopfhörer, ich brauche keine Motivationsmusik. Ich betrete das Studio und grüße laut und deutlich. Letztens hat neben mir ein mir nicht bekannter Trainierender Kreuzheben ausgeführt. Perfekte Technik, hohes Gewicht – sieht man selten. War eine beeindruckende Leistung, selbst beim Höchstgewicht war die Ausführung ausgezeichnet – wie aus dem Bilderbuch.
In der Garderobe haben wir uns zufällig getroffen – da er zu diesem Zeitpunkt keine Kopfhörer mehr im Ohr hatte, bin ich zu ihm hin und habe ihm gesagt, dass er sein Kreuzheben zu den Besten zählt, die ich in den letzten Jahren gesehen habe. Zuerst sah er mich verwundert an, doch dann kamen wir in ein Gespräch über Trainingspläne, Übungen und Erfahrungen.
Tja, manche Dinge ändern sich eben nicht 🙂
Ich habe ihn dann gefragt, wieso er mit Kopfhörer trainiert. „Bei dem Mist den man hier an Musik hört, kann ich einfach nicht trainieren“. Seine Antwort war durchaus schlüssig, denn die im Studio angebotene Musik erinnerte wirklich mehr an einen romantischen Wochenendausflug mit seiner Liebsten, denn an ordentliche Trainingsmusik. Wie schon geschrieben, ich lege auf die Musik wenig wert, aber in dem Punkt muss ich ihm Recht geben. Wenn AC/DC anstatt Mariah Carey aus den Lautsprechern kommt entspricht dies eher der Atmosphäre die man aus den guten alten Tagen gewohnt ist.
Also liebe Studiobesitzer – motivierende Trainingsmusik ist wichtig, dann brauchen die meisten keine eigene Musik und können sich wieder unterhalten. Und für alle die Kuschelrock bevorzugen, bleibt dann immer noch der Griff zum Kopfhörer.